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Die Sonne glühte, dem Horizont nahe, die Berge und
Thürme mit immer röther ſtrahlendem Flammenauge an.
Mit einem Blick umfaßte das Auge hier die ſtille Erhaben⸗ heit der Landſchaft und den ſtolzen Bau der Veſte.
„Das Schloß zu Heidelberg“, begann der Prinz, nach⸗ dem er ſich einige Augenblicke ſtumm bewundernd umgeſchaut, „iſt viel größer, reicher, die Landſchaft viel reizender! Doch ſo gewaltige Thürme und Mauern wie dieſe Veſte hat es nicht, und die dunklen Waldberge in ihrer einſamen Größe, die tief eingeſchnittenen, gewundenen Thalgründe ergreifen mich mächtiger als die reiche Pracht des Neckarthals.“
„Wirklich?“ fragte Heinrich und erfreute ſich ſichtlich dieſer Aeußerung.„Ja, die Veſte iſt ein gewaltiges Werk! Sieh' nur, wie die dreifachen Mauern mit ihren Schieß⸗ ſcharten den Berg umkränzen! Der Thurm dort drüben iſt der Waſſerthurm; der Brunnen der Burg liegt darin; ſie ſagen, er ſei über zweihundert Ellen tief.“
„Wie heißt der Fluß am Ende des lieblichen Thales, das ſich aus dem Waldkeſſel hier dort hinunterzieht?“ fragte Prinz Chriſtian.
„Das iſt die Beraun. Auch dort iſt Böhmen ſchön! Wir könnten morgen einmal hinüberreiten; vielleicht nach der Stadt Beraun ſelbſt!“
„Recht gern.“
Die Sonne färbte die dunkelgrünen Waldberge, welche die Veſte überragen, röther und röther. Die Thäler lagen im blauen dämmernden Schatten. Die Thürme leuchteten glutſtrahlend; der Abend war mild. Der Prinz hatte den Blick auf den Kaiſerthurm gewandt. Eine Geſtalt im lichten weißen Gewande erſchien auf dem Balcon. Er erkannte Thekla— ſein Herz ſchlug! Sie hatte, von der Sonnen⸗ glut geblendet, die Hand über die Augen gelegt und ſchaute


