Teil eines Werkes 
3. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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wählt. Iſt er das erſte, ſo bedurfte er des letztern nicht, und iſt er erwählt, ſo gibt es keinen angeſtammten Kö⸗ nig für Böhmen.

O, mein Sohn, ſage das nicht, antwortete die Kur⸗ fürſtin,ſeit vielen Geſchlechtern hat das Haus Habsburg die böhmiſche Krone getragen!

Und ebenſo viele Könige haben aus andern Geſchlech⸗ tern in Böhmen regiert. Das Haus Habsburg hat ver⸗ geſſen und will vergeſſen, daß Böhmen ein Wahlreich iſt. Und das eben iſt die Frage, über welche jetzt entſchieden iſt. Die böhmiſchen Stände, zu denen ſie diesmal, weil es einem ſo wichtigen Gegenſtande galt, auch die ſchleſiſchen und mähriſchen gezogen, haben das Wahlrecht Böhmens neu feſtgeſtellt. Und ſie erheben gerechten Proteſt gegen die Gültigkeit der Wahl des Königs Ferdinand. Aus doppel⸗ tem Grunde: weil nicht geſetzmäßig dabei verfahren wurde, und weil der König die Bedingungen, an die ſeine Wahl geknüpft war, gebrochen hat!

Friedrich! Wenn Ferdinand dir thäte, wie du ihm, dir deine Krone raubte! 3

Ich raube ſie ihm nicht! Er beſitzt ſie nicht mehr! Darüber hat der böhmiſche Landtag entſchieden! Das war die Nachricht, die ich empfangen. Der Thron iſt erledigt; es handelt ſich nur darum, wer ihn beſteigen ſoll. Und ſoll ich dabei nicht in die Schranken treten?

O, mein Sohn! Belade dein Haupt nicht mit un⸗ gerechtem Gut, taſte fremdes Eigenthum nicht an! ſagte die Kurfürſtin in bittendem und warnendem Tone.

Nehme ich es denn gewaltſam? Dränge ich nur da⸗ nach? fragte Friedrich.Es wird mir dargeboten!

Darfſt du fremdes Gut als Geſchenk annehmen? Hat Jemand ein Recht, es zu verſchenken?