———
———
181
gewaltſame Entſcheidung, die mit zu grauſenhaften Um⸗ ſtänden verknüpft ſein müſſe, eintreten zu laſſen.
„Ich möchte auch Blutvergießen ſparen“, erwiderte Thurn.„Allein durch eine vorhergehende Aufforderung wird der Feind von unſerm Vorhaben zu ſicher in Kenntniß ge⸗ ſetzt. Es iſt ſehr ſchwer mit Gewalt in die Stadt zu dringen; aber durch Ueberraſchung wäre es leicht möglich!“
„Sie müſſen und werden auch auf den Sturm gefaßt ſein“, ſagte Berka,„wenn wir die Aufforderung unter⸗ laſſen.“
„Wenn ſie ſich in Gutem ergeben wollten“, meinte der Oberſt Roſenberg, ein alter Haudegen,„könnten ſie ja auch uns einen Trompeter ſchicken! Wacker darauf ge⸗
ſchoſſen, ein paar Hundert Brandkugeln hineingeworfen und
dann die Beſtürzung zur Ueberrumpelung benutzt! Das iſt meine Meinung!“ „Ihr redet mir aus der Seele, Graf Roſenberg“,
pflichtete Thurn bei.„Wir wollen abſtimmen!“
Es geſchah. Die Mehrzahl war für den Verſuch, die Stadt, ohne Aufforderung zur Uebergabe, gewaltſam durch Ueberraſchung zu nehmen..
Die Verſammelten ſtanden auf. Thurn ſprach:„Um zehn Uhr, ihr Herren, findet euch wieder hier zuſammen, dann will ich euch die nähern Befehle über den Angriff, den wir mit der erſten Morgenſtunde, wenn Alles in der Stadt müde und im Schlaf iſt, machen wollen, mittheilen.“
Der Kriegsrah ging auseinander. Berka drückte Thurn im Weggehen herzlich die Hand; allein er ſahe finſter aus und ſagte:„Wir wollen treu zuſammenhalten, Thurn, es gehe wohl oder übel. Ich denke, wenn ich auch zu Zeiten anderer Meinung bin als Ihr, ſo ſind wir doch eines Sinnes“


