168
einzelne Bäume, die hier und da im freien Felde ſtanden, eine Erderhöhung, ein Kreuz oder Heiligenbild am Wege aufgerichtet. Schauerlich ragten die Trümmer des halb ein⸗ geäſcherten Fleckens mit ihren zackigen eingeſtürzten Mauern, vereinzelten hohen Schornſteinen aus dem Boden, und ließen ihre ſeltſamen Umriſſe auf dem dämmernden Hintergrunde des Himmels verfolgen. Hier und dort glimmten noch Balken; aus keſſelartigen Vertiefungen leuchtete, noch ſtärker ausſtrahlend, die düſtre Glut geſammelter Kohlen; ſtoß⸗ weiſe erhoben ſich Dampfwirbel darüber und kräuſelten ſich um die Trümmer, die der röthliche Widerſchein geiſterhaft anhauchte.
Nur zwei lebende Geſtalten ſtreiften unheimlich durch das Bild einſamen, todten Grauens: eine männliche und eine weibliche. Ein breiter Hut bedeckte das Haupt, ein kurzer langhaariger Mantel die Schultern des Mannes von ſtämmigem gedrungenen Bau. Er war mit einem ſchweren Knittel verſehen und ein Sack hing ihm über die Schulter. Das Weib hatte den Kopf in dichte Tücher, unter dem Kinn zugebunden, eingehüllt; am Arme trug ſie einen Korb.
Aus dumpfer Betäubung erwachend, ſah Faver das düſtre einſame Nachtbild vor ſich, nur von den beiden Ge⸗ ſtalten belebt, die ſich ihm zu nähern ſchienen.— Als er be⸗ ſinnungslos im Sattel ſchwankte und das Blut ſeinen Wunden entſtrömte, hatte ſich das tobende Gedränge des Kampfes über und an ihm hingezogen. Niemand hatte Zeit gehabt auf ihn zu achten, nicht Freund noch Feind. Später zog ſich das Gefecht ganz von dieſer Stelle hinweg, und die Todten und Verwundeten blieben ihrem Schickſal über⸗ laſſen. Ob einige der Letztern, denen noch Kräfte geblieben waren, ſich gerettet hatten, wußte Xaver nicht. Er ſelbſt


