der bloße Buchſtabe des Rechts uns unter Mathias nicht ſchützte, der es doch nicht überall ungünſtig für uns deutete, was ſollten wir unter Ferdinand davon erwarten?“
„Das hätte freilich keine große Sicherheit dargeboten“, meinte der Rath.
„Er verlangte zuvor die Rückkehr aller Perſonen und Beſtätigung in ihren Aemtern, gegen deren bedrückende Amtsausübung und Grauſamkeit der Aufſtand ausgebrochen war. Er forderte die Wiedereinſetzung der papiſtiſchen Ei⸗ ferer unter den Prälaten, die Wiedereinführung der Je⸗ ſuiten. Hatten uns dieſe ſchon zuvor, wo ihnen nichts Feindſeliges von uns widerfahren war, gepeinigt, mit Rän⸗ ken und Haß verfolgt, was ſollten wir jetzt von ihnen er⸗ warten, wo ihr Haß bis zur Wuth gereizt iſt?“
„Sie würden euch muthmaßlich, gleich dem Jerobeam, mit Skorpionen gezüchtigt haben, ſtatt mit Geißeln“, ſeufzte der Rath.
„Nicht einmal an die von uns erwählten Directoren des Landes ſchrieb König Ferdinand, ſondern an die von uns abgeſetzten Räthe; er erkannte alſo nur dieſe an, nicht uns, und verdammte folglich unſer ganzes Verfahren vor⸗ weg. Mit einem Worte, er bot uns nur die Rückkehr in das Alte, von dem alle Gefahr, alles Unheil ausgegangen war. Das konnten wir nicht annehmen, Ferdinand wußte es; er wollte alſo den Frieden nicht.“
„Das ſcheint nicht zu beſtreiten“, pflichtete der Rath bei.
„Welcher Zuſtände ſollen wir uns nun unter einem Herrſcher von den Gefühlen und Grundſätzen Ferdinand's gewärtigen?“ fragte der Kanzler mit beſorglich ſchmerz⸗ lichem Tone.
„Und doch hattet ihr ihn ſelbſt zu eurem Könige ge⸗ wählt!“ bemerkte Rippell.


