Teil eines Werkes 
1. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Thyßka nahm ſie mit dem Ausdrucke der tiefſten Ehrfurcht entgegen.

Indem er Platz nahm, fragte Lamormain noch, aber⸗ mals ſehr freundlich:„Es iſt ſpät Abends. Habt Ihr auch ſchon zu Nacht geſpeiſt? Wollt Ihr nicht eine Stär⸗ kung, einen Becher Wein?“

Pater Thyßka dankte.„Ich habe mich ſchon erquickt und erwärmt, ehrwürdiger Herr, in meiner Wohnung, wäh⸗ rend ich die Kleider der Verkappung, in denen ich hier ein⸗ traf, wechſelte. Ich war allerdings faſt erſtarrt vor Kälte und äußerſt erſchöpft!“

„Nun, ſo ſetzt Euch, ſetzt Euch, lieber Thyßka, und berichtet.“ Thyßka begann:

„Meine Hinreiſe war ohne alle Gefahr; wenigſtens hat ſich uns keine gezeigt. Der arme, vertriebene proteſtan⸗ tiſche Schullehrer aus Steiermark, der ſich von Haus zu Haus Unterſtützung erbitten mußte, erregte keinen Verdacht.“.

„Ja, man lernt jetzt ſolche Rollen ſpielen“, unterbrach

Lamormain,„da die Wirklichkeit ſie uns einſtudirt. Auf

Eurer Flucht im Mai hierher, da waret Ihr in der That ein ſolcher Vertriebener, wenn auch nicht aus Steier⸗ mark.— Und wie ſteht es mit Euren Erfahrungen in dieſer Maske, theurer Bruder in Jeſu?“

„Sie waren mir nicht die tröſtlichſten!“ erwiderte Thyßka achſelzuckend.„Ich wurde ſo wohl aufgenommen und ge⸗ pflegt, ich erhielt ſo reichliche Geſchenke, daß ich oft nahe daran war, meine Erbitterung zu verrathen!“

„Ihr ſeid immer noch zu jugendlich, zu leidenſchaft⸗ lich“, erwiderte Lamormain,„in unſerer Stellung und Auf⸗ gabe bleibt es die erſte Pflicht, niemals die Ruhe, die Beſonnenheit zu verlieren; denn ſie allein führt uns ans