9
—
2
247
es war als ob eine höhere Eingebung über ſie komme. Der Kaiſer betrachtete ſie wunderbar ergriffen von Rührung und Staunen.
„Ich will denn reden zu dir, ſolange es hell iſt meinem Geiſte. Mathias! Dein Leben war eins der Un⸗ ruhe, des Kampfes und der Zwietracht. Manches iſt ge⸗ ſchehen, was beſſer nicht geſchehen wäre! Die Kugel dreht ſich, wo Nacht war, wird Tag; es kommt der Tag der Vergeltung, es kommt der Tag der Reue, der Tag der Ein⸗ ſicht. Genug des Zwiſtes iſt geweſen in der Welt; du haſt ihn mit geſäet, du haſt ihn mit geerntet! Laß es genug ſein! Jetzt ſei dein Sinn Frieden, er ſei Verſöhnung!
Das iſt meine letzte heiße Bitte, das mußt du mir..... 4
Hier ſank plötzlich die Woge der Kraft, welche die Auf⸗ regung ihrer Bruſt emporgetrieben, zurück und zerfloß leiſe, ermattet, wie der Hauch auf ihrer Lippe. Sie athmete tief und lehnte ſich in die Kiſſen zurück. Mathias lauſchte noch immer, ob ſie ihr Wort vollenden werde, doch da ſie nur erſchöpft athmete und ihre Hand kraftlos der ſeinigen
entſank, ergriff ihn plötzlich die höchſte Beſorgniß.
„Anna“, fragte er erſchüttert,„wie iſt dir? hörſt du mich?“
Sie wiegte leiſe bejahend das Haupt, vermochte aber nicht zu ſprechen. Beſtürzt zog er die Schelle. Die Frauen eilten herzu; ſie umringten beſorgt und weinend das Lager; die Kranke lag in völliger Ohnmacht.— Der ärztliche Ge⸗ hülfe, der im Vorzimmer die Wache hatte, ordnete leben⸗ weckende Mittel an; es wurden ſogleich Boten dem Doctor Gisbertus nachgeſandt.
Er kam auf der Stelle; doch auf die Frage des Kai⸗ ſers nach dem Zuſtande der Kranken ſchüttelte er nur be⸗ denklich das Haupt.


