Teil eines Werkes 
1. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Zweiundzwanzigſtes Capitel.

Der Kaiſer Mathias, den ſchwere Anfälle des Poda⸗ gras den Winter hindurch gequält hatten, kränkelte in Folge deſſelben noch im Frühjahre. Die Jahre, die Anſtrengun⸗ gen ſeines Lebens, Mismuth über manches Fehlgeſchlagene, vielleicht im tiefſten Herzen auch Reue über manches Unter⸗ nommene, hatten ſeine Kraft unterhöhlt. Einſt von Ehr⸗ geiz und Herrſchbegier getrieben, ein nicht zu ermüdender Kämpfer, um die Ziele zu erreichen, die ſeinen Leiden⸗ ſchaften als glänzende und beglückende vorſchwebten, war er jetzt matt geworden, und der errungene Preis dünkte ihn kaum des Beſitzes zu lohnen, während er früher Alles daran geſetzt, ſelbſt die Bande des Bluts, die Pflichten der Brüderlichkeit nicht geachtet hatte, um zu erſtreben, was ihn jetzt mehr mit Sorgen und Unmuth erfüllte, als es ihm Glück gewährte... die Herrſchaft!

Nach einer in Unruhe und Schmerzen auf ſeinem Lager hingebrachten Nacht erwachte er aus einem Morgenſchlummer der Ermattung, als die erſten Strahlen der Sonne ſich zwiſchen die ſchweren, ſeidenen Vorhänge ſtahlen, die ſein Schlafgemach in der Hofburg in Wien verdunkelten. Er⸗

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