Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

230

Frühwein, ein Mann von der Feder, wie unſer Graf einer vom Schwert; neben ihm Valentin Kochan und Tobias Steffeck. Der dort hinten im ſchwarzen Wamms und Barett, das iſt der Doctor der Rechte Daniel Baſilius, und die Beiden, die ihm folgen, ſind zwei hochberühmte Aerzte, der Doctor Borbonius und der Director des Carolinums, Herr Jeſſenius von Jeſſen; er iſt kein Böhme, ſondern ein Ungar, eigentlich ein Slowak, aber gut böhmiſch geſinnt!

Thereſe war ſo tief von dem Ganzen des Herganges ergriffen, daß ſie dieſe Worte und Namen vieler ihr un⸗ bekannter Männer nur wie ein leeres Geräuſch, wie einen Schall, der in einen tiefen Traum dringt, vernahm. Ihr ſeit Thurn's Erſcheinen thränenumdunkeltes Auge ſah auch

die Geſtalten nur halb wie hinter einem Schleier vor⸗

überziehen.

Sieh nur, Beata, ſtieß Balthaſar ſeine Frau leiſe an und zeigte verſtohlen auf Thereſe,ſie weint!

Weißt du, antwortete dieſe ebenſo leiſe, während Thereſe in ſich verſunken auf die bewegte Volksmenge hin⸗ blickte,mir iſt auch nicht froh zu Muthe! Unſer Herr ſah mehr traurig als freudig aus! Ich fürchte immer....

Was fürchteſt du? fragte Balthaſar halb unwillig. Iſt heut nicht ein Tag des Ruhms und der Herrlichkeit für ihn und für das ganze Land? Er ſah mir, wie er ſo prächtig vorbeiritt, aus, als wenn er der König von Böhmen wäre! Und das wird er vielleicht noch! Was klagſt du alſo und fürchteſt!

Daß nicht Alles ſo geht, wie Ihr hofft! erwiderte Beata.Der Mönch hat ſich nicht umſonſt gezeigt!

Was Mönch! Glaubſt du auch an das Ammen⸗ märchen? ſchalt Balthaſar.