Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

228

ſein ſoll. Thereſe hing mit unverwandten Blicken an der würdigen, ſtolzen Geſtalt. Schon in hochreifen, männlichen Jahren ſaß er doch ungebeugt zu Roß. Halb ergrautes Haar kränzte ſeine hohe Stirn; die ſchwarzen Augen leuch⸗ teten wie Zwillingsſterne unten den buſchigen, faſt zuſam⸗ mengewachſenen Brauen hervor. Seine Züge waren ſtreng, doch der Blick freundlich und ein Lächeln ſchwebte um den Mund. Das Pferd hob ſich im kurzen, geſammelten Ga⸗ lopp, es bäumte faſt; der Reiter ſah ruhig rechts und links und nickte nur dann und wann grüßend in die Menge hinein.

Er gleicht der Eiche, dachte Thereſe,er bricht im Sturm, er beugt ſich nicht!

Den ehrwürdigen Herrn im braunen Sammetkleide, der jetzt in dem Wagen mit den beiden Schimmeln heran⸗ kommt, ſeht Euch ebenfalls recht genau an, ſagte Balthaſar eindringlich zu Thereſen.Es iſt der Herr Kanzler Bu⸗ dowecz von Budowa, ein hochgelahrter Mann. Er iſt wol ſchon ſiebzig Jahre!

Thereſens Bruſt erfüllte ſich mit Ehrfurcht, als ſie den berühmten Mann erblickte, von dem ſie ſchon durch den Bater Nechodom ſo Vieles gehört hatte. Ihr Auge heftete ſich unverwandt auf ihn, bis er vorüber war.

Unſer Herr Graf! rief Balthaſar plötzlich laut aus.

Seht da unſern Herrn, neben dem Freiherrn von Fels; eben biegen ſie um die Ecke, dort unten, wo die rothen Hartſchiere ſtehen.

Wer iſt es, der neben dem Grafen reitet? fragte Thereſe, die den Namen überhört hatte.

Es iſt der Freiherr Leonhard Colon von Fels, auch einer unſerer Glaubensdefenſoren, belehrte ſie Balthaſar,