Teil eines Werkes 
1. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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VI

Die Sehnſucht, meine ernſt geſammelte Kraft an die Ausführung größerer Werke zu ſetzen, hatte mich in der langen Reihe von Jahren, in welcher ich daran gehindert war, nicht verlaſſen; ſie war vielmehr mit den Hinderniſſen gewachſen. Zumal blieb der Drang in mir warm lebendig, einen größeren Roman auf der erhabenen Grundlage der Geſchichte auszuführen. Auf Manches richtete ich den Blick; Manches wurde erwogen, wieder verlaſſen; Einiges ſogar begonnen, im Großen entworfen, zu anſehnlichen Theilen ausgeführt; dennoch wieder zurückgelegt, bis ich es in meiner zerſplitterten Thätigkeit ganz wieder aus den Augen verlor. Jahre vergingen! Da trat ein Wendepunkt in meinen Lebens⸗ verhältniſſen ein, der mir von zwei Seiten her eine freiere, andauernde Muße gewährte. Das Nähere über dieſe Umgeſtaltung, die mich von der einen Seite zu warmem Danke verpflichtete, von der andern zur An⸗ klage berechtigte, gehört nicht hierher. Es bleibt einer Darſtellung meiner Lebensereigniſſe überhaupt aufbehalten, zu deren Niederſchreibung ich ſeit längerer Zeit den An⸗ fang gemacht. Mit der gewonnenen Möglichkeit einer andauernden Thätigkeit nach einer Richtung, kehrten ſogleich die mannichfaltigen innern Anregungen zu einem beſtimmten Gegenſtande zurück. Nach längerem Schwan⸗ ken feſſelte meinen Blick ein eben ſo großartiges als grauenvolles Gemälde der Geſchichte, das mir ſchon längſt als Aufgabe in dunkeln Umriſſen vor der Seele ge⸗ ſtanden hatte: der Dreißigjährige Krieg. Anfangs nur wie ein düſtres Meteor, durch halb verhüllende