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entreißen laſſen, das ſo viele ſeiner Partei der Ge⸗
fahr der Ermordung ausſetzte. Er wollte eben auf⸗ ſtehn, um die Ronde zu machen, und um zu ſehen, ob die Schildwachen wachſam auf ihren Poſten waͤren, als die große Glocke(die in ſolchen Erzaͤhlungen ſelten ſchweigt) drei ſchlug, und durch alle Gallerien Trepp auf und Trepp ab die ranhen Stimmen der Schildwachen ertoͤnten, welche ſich mit dem gewoͤhnlichen Zuruf:
„Alles in Ordnung“ anriefen, und es beantworteten.
Ihre Stimmen vermiſchten ſich mit den tiefen Toͤ⸗ nen der Glocke, und als ſie ſchwiegen, konnte man kaum mehr den Nachhall der Glocke hoͤren. Aber ehe noch der ferne Laut ſich aufloͤßte, ſchien er von Neuem zu erklingen, ſo daß Everard im Anfang nicht mehr unterſcheiden konnte, ob ein zweites Echo die ver⸗ klingenden Toͤne wiederhole, oder ob ein anderer ei⸗ gener Schall die Stille unterbreche, welche beim
Aufhoͤren der Glockenſchlaͤge in dem alten Gebaͤude
und in dem Walde herrſchte.
Aber der Zweifel klaͤrte ſich bald auf, die muſi⸗ kaliſchen Toͤne, welche ſich mit dem erſterbenden Nach⸗ hall der Glocke vermiſcht hatten, ſchienen ihn erſt zu verlaͤngern, dann ihn zu uͤberleben. Eine wilde, rau⸗
ſchende Melodie ertoͤnte in der Ferne, ward immer
ſchallender als ſie ſich naͤherte, ging von Zimmer zu Zimmer, von Kammer zur Gallerie, von Halle zu Thurm durch die verlaſſenen, entehrten Ruinen des alten Aufenthaltsortes ſo vieler Koͤnige. Bei ihrem


