— 270— ſchmerzlicher Feſſel gehemmt hätte; es war die Liebe zu Al⸗ fred's Schweſter, Eſtelle, einem reizenden jungen Weſen, welche erſt ſeit einem Jahre aus dem Kloſter, wo ſie er⸗ zogen worden, in das elterliche Haus zurückgekehrt war. Auch ſie theilte dieſe Neigung, obgleich ſie ſie mit jungfräu⸗ licher Scheu in der Tiefe ihres Herzens verborgen hielt, wie eine Lilie die köſtliche Thauperle im innerſten Kelch be⸗ wahrt. William hatte ſeine Leidenſchaft nur ſeinem Freunde Alfred vertraut, der dieſes Verhältniß von ganzer Seele begünſtigte; allein ſo wenig die Zeit geeignet war, Vorur⸗ theile geltend zu machen, die zehn Jahre früher ganz un⸗ überwindlich erſchienen ſein würden, ſo hatte Alfred's Va⸗ ter gerade in der Auflehnung gegen die Richtung der Zeit eine Stellung zu nehmen geſucht und er, der ſonſt milde, verſöhnend, Vorurtheile gegen Wahrheiten aufopfernd ge⸗ weſen war und dieſe Grundſätze ſeinen Kindern eingeflößt hatte, verhärtete ſich jetzt im ſtarren Widerſtande, weil die Zeit jede billige Foderung weit überſchritt. So hatte er denn auch mit Beziehung auf William mehrfach geäußert, er werde jetzt, wo man alles Ehrwürdige und Alte beſudle, nie in eine andere Verbindung ſeiner Tochter willigen, als in die mit einem Manne vom reinſten, unbefleckteſten Adel. Indeſſen wuchſen die Ereigniſſe der Revolution mit jedem Tage gewaltiger empor; zwar ſahen Millionen mit Schau⸗ dern, wohin ſie führten, indeſſen ſchöpfte William doch für ſein eigenes Glück Hoffnungen daraus. Endlich war das Haupt des Königs gefallen. Bis dahin hatte der Vicomte, wie viele Gefahren ihn auch, obwol er ſich von jeder thä⸗
tigen Theilnahme an den Welthändeln zurückhielt, bedroh⸗ ten, durchaus Frankreich nicht verlaſſen wollen, obgleich William in ihn drang, eine Zuflucht in England aufzuſu⸗ chen. Jet wollte er auswandern, denn es gab keinen
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