Teil eines Werkes 
18. Band = Neue Folge, 6. Band, Erzählungen : 4. Theil (1847)
Entstehung
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gen darf. Doch gleich an der Stimme erkannte ich, daß es ein Mann von meiner Compagnie war(denn unſer Regiment war unterdeſſen nach Antwerpen mar⸗ ſchirt), und rief ihm zu:„Ich bin der Lieutenant u*.“ Kaum hörte er dieſe Worte, als er ein Freudengeſchrei ausſtieß und rief:„Herr Lieutenant, Sie leben? Iſt's möglich? Wir haben Sie Alle verloren geglaubt!“ Durch dieſe Schildwacht erfuhr ich die Wohnung des Oberſten und, obgleich es Abends nach Eilf war, ging ich doch ſogleich zu ihm. Auch er empfing mich mit herzlicher Umarmung und begrüßte mich als einen von den Tod⸗ ten Auferſtandenen. Ich erzählte ihm, daß wir noch unſerer eilf am Leben ſeien! Da, Freunde, da vergoß der alte Kriegsmann Thränen und ich ſchämte mich auch nicht zu weinen!“

Virr ſaßen ſtill und die Thränen der Rührung wa⸗ ren uns auch nahe. Die Frauen vergoſſen ſie reichlich; doch die anmuthige Kunigunde ſchlang den Arm um ihres Heinrich's Nacken, küßte ihn herzlich und ſprach:„Aber unter dieſen Eilf warſt Du!“

„Gottes Gnade war größer, liebſtes Herz,“ ſprach Heinrich wehmüthig.„Denn zwei Monat nach dem Tage unſerer Rettung lebten nur noch drei von uns, mein Burſche, der Doctor und ich. Alle Uebrigen hatten die Nachwehen der furchtbaren Leiden und Anſtrengungen, trotz der beſſeren Pflege, die ihnen natürlich jetzt wurde, hinweggerafft!— Doch es iſt ſpät! Leert das Glas und laßt uns zur Ruhe gehen.— Wie mir während dieſer Unglücksfahrt die Stelle eines Capitains entging, zu der ich vorgeſchlagen war, die aber, da man mich verloren glaubte, ein anderer Kamerad erhielt, ſo daß ich