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Unter dieſen Worten hatten ſie vergnügt Platz genom⸗ men und Annchen, nach der Kathy gerufen, kam mit einer Flaſche und Gläſern, verneigte ſich ſittſam und freundlich und ſetzte das Verlangte auf den Tiſch. Beide ſahen das Mädchen groß an. Sie war ſchlank wie ein Reh, die hell⸗ braunen Locken fielen ihr lang über den Nacken und ſie hatte ein Paar Augen, blauer, leuchtender als ein Bach, in dem ſich der Frühlingshimmel abſpiegelt.
Als Kathy ihre ſtaunenden Blicke ſah, ſprach ſie:„Gelt, das iſt ein Mädel! Meine Tochter! Bin ſtolz darauf! Aber daß Keiner ſie mit einem Wort oder Scherz kränke, denn ſie iſt ſittſam wie eine Nonne und ſoll es bleiben!“
„Nun,“ ſprach Gotthelf lebhaft,„dazu iſt doch hier das Wirthshaus wol nicht die beſte Schule!“
„Freilich,“ rief Waldmann eben ſo raſch,„wo die jun⸗ gen reichen Offiziere, die ſo dreiſt zu den Mädchen ſind, einkehren, da ſolltet Ihr ſie doch nicht laſſen!“
„Soll auch nicht hier bleiben,“ verſicherte Kathy,„ich habe ſie nur für jetzt bei mir, bis ich ein ſicheres Unter⸗ kommen für ſie weiß, oder bis der Friede, den wir, Gott Lob! ja bald hoffen, Alles ändert. Seht, ich hatte ſie bisher, während der ganzen Kriegszeit, im Böhmiſchen, bei einem Landgeiſtlichen, einem braven alten Mann, wo wir vor ſechs Jahren einmal im Quartier gelegen. Der iſt aber vor vier⸗ zehn Tagen geſtorben und da mußte ſie zu mir. Ich denke überhaupt aus dem Oeſtreichiſchen weg in's Preußiſche zu ziehen, wenn wir nur erſt wiſſen werden, was Oeſtreichiſch und Preußfiſch iſt.— Aber trinkt doch einmal, Ihr Herren!“
Die beiden Freunde waren ſehr zerſtreut; ſie ließen ihre Blicke nicht von der Thür, in der Hoffnung, Annchen werde wieder heraustreten. So hatten ſie denn auch wenig von der Erzählung der Wirthin gehört und erſchraken faſt, als


