—.—-r——
— 365—
der Teufel, aber mir kam ſogar eine Thräne ins Auge. Es wollte etwas in mir ſpuken und ſagen:„Du wirſt ſie nicht wiederſehen! Der Satan ſpielt Dir einen Schabernack, und dreht Dir das Genick um, ehe Du nach Breslau kommſt!“*) Ich ſoff aber ein tüchtiges Glas Wein und ließ den Plunder von Sentimentalität fahren.„Kerle,“ rief ich den Führern zu,„ſtimmt ein Lied an! Wir wol⸗ len dem Sturmwind draußen zeigen, daß wir auch einen Baß in der Gurgel haben. Gröhlt, jodelt, pfeift— luſtig! Ich gebe Euch eine Flaſche Branntwein zum beſten!“— Jetzt war die Beſtialität losgelaſſen. Der Eine fing an: „Als Rinaldo, Rinaldini,“ der Andere:„Es iſt ein Jude ins Waſſer gefallen,“ der Dritte:„Heil'ger Nepomuk auf der Prager Bruck!“ Der Naturforſcher pfiff die friſch aus Paris angekommene Pariſienne, der Offizier intonirte den Deſſauer Marſch mit dem bekannten Text über Licht und Finſterniß.— Hyacinth lächelte, der Köter heulte, der Wirth fluchte— und mir war doch wehmüthig zu Sinn! Ich will aber Baugefangener in Silberberg werden und zwanzig Jahre Raſen aus dem Thal auf den Felſen hinauf⸗ karren, wenn ich mir's noch einmal merken laſſe. Von den Schlafkameraden iſt's gewiß Niemand gewahr worden, denn ich blies eine Tabakswolke vor mich hin, in der Ju⸗ piter die Jo hätte umarmen können; warum ſollten mir alſo meine beiden Thränen nicht unbemerkt in den Bart rollen? 4 Als der Spectakel im beſten Gange war, polterte es im Vorſaal, wie ich den zwei Fuß breiten, ſechs Fuß lan⸗ gen finſtern Vorſtoß, der die Thür mit der Doppelthür verbindet, im Verhältniß zu dem Saal im innern Gebäude
*) Nun läugne einer die Ahnungen.


