Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

35

Lehren geprägt und mir Aufrichtigkeit der Geſinnung, Wahrhaftigkeit der Bekenntniſſe meines Herzens zur erſten Pflicht gemacht. Dieſer bin ich jetzt nachgekommen. Woll⸗ ten Sie es anders? Sollte ich eine Empfindung heucheln, die ich nicht habe? Nein, wahrlich, ich fürchte in dieſem Augenblick nicht, das Andenken meines Vaters entweiht zu haben. Mein Herz ſpricht mich völlig frei. Sir At⸗ wood ſchoß während dieſer Antwort ſeiner Nichte im Zim⸗ mer auf und ab und ärgerte ſich, daß er ſein Ohr und ſeine Vernunft der ſchlagenden Wahrheit dieſer Erwiderung nicht ſo unzugänglich machen konnte, wie ſein Herz es war, wenn man anders ein Ding ſo nennen kann, das mit an⸗ derer Leute Herzen nur die anatomiſche Aehnlichkeit hatte, eigentlich aber, beſonders jetzt, eine moraliſche Gallenblaſe war. Sein größter Verdruß war, daß er nichts zu erwi⸗ dern wußte, weil Eveline ihm ſo entſchieden und ganz ohne weibliche Aengſtlichkeit geantwortet hatte, auf die er, weil ſie ſie ſonſt überall zeigte, am ſtärkſten bei ſeiner Berennung gehofft hatte. Indeß hatte er Luft genug in ſeine Lunge gepumpt, um einige neue Brandraketen gegen den Feind zu ſchießen. Eben wollte er Feuer geben, als Harry mit zwei Briefen eintrat, die nicht nur ein ominöſes Citissime auf dem Couvert trugen, ſondern auch mit der wichtigeren For⸗ mel:zu eigener Hand! verſehen waren.Gib her, er⸗ widerte er heftig dem Bringenden und riß die eine De⸗ peſche auf. Allein nach der erſten Zeile ging eine merkliche Verwandlung auf ſeinem Geſichte vor. Der Anflug von calecuttiſchem Roth und Blau wurde durch einen Proceß in ſeinem Innern offenbar chemiſch zerſetzt und löſte ſich in eine blaßgelbgraue Gewitterwolkenfarbe auf, in der auch merkliche Blitze zuckten, beim Weiterleſen. Einige Abend⸗ rothſtreifen des Aergers hingen noch an dem fahlelt Hori⸗