Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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jahrte Witwe von ſehr wohlwollendem Gemüth, deren Söhne in Staatsdienſten ſtanden, lebte den größten Theil des Jahres allein auf ihrem Landhauſe, zwanzig Meilen von unſerem Dorfe, aber nur zwanzig engliſche. Man fuhr alſo recht gut in drei Stunden dahin. Williams Wohnort war etwas weiter, im Hauſe eines reichen Kaufmannes, deſſen Söhnen er zum Führer und Lehrer gegeben war. Der erwartete Georg ſtand als Knecht in des Kaufmanns Dienſten und hatte unſere Freunde in einem Cabriolet zu ihrem Vater gefahren. Er ſollte nach der Verabredung bis jenſeit des Hügels, um den ſich die Landſtraße herumzog, fahren und dort halten, wo dann die jungen Leute einſtei⸗ gen wollten, die mit dem Vater vorausgegangen waren. Indeß Georg ließ nach Art der meiſten Fuhrleute auf ſich warten, entweder weil er im Dorfe eine Liebſchaft haben mochte, oder wahrſcheinlicher, weil er nicht ſo leicht vom Bierkruge fort konnte. Während nun William die Land⸗ ſtraße nach dem Dorfe hinaufſah, kam ein Wagen von der andern Seite her, auf den Jenny zuerſt aufmerkſam machte. Er hielt am Fuße des Hügels und die darin Sitzenden ſtiegen aus, um, während der Wagen um den weit hinaus⸗ gebogenen Saum des Abhangs herumfuhr und ſo der Krümmung der Straße folgte, ebenfalls ihren Weg über die anmuthige Höhe zu Fuß zu machen. Es waren Sir At⸗ wood, ſein Sohn Harry und die ſchöne Eveline, welche von einem Mittagsbeſuch, den ſie in New⸗Caſtle gemacht hatten, zurückkehrten. Jenny und Eveline hatten die Ju⸗ gendzeit als vertraute Geſpielinnen mit einander verlebt; doch nach dem Tode des jüngeren Sir Atwood waren ſie nur ſelten beiſammen geweſen und ſeit ihrem vierzehnten Jahre, wo Jenny zu Miß Goldſmith gezogen war, Eveline den größten Theil der Zeit zu ihrer feineren Ausbildung

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