Teil eines Werkes 
14. Band = Neue Folge, 1. Band, Algier und Paris im Jahre 1830 : 2. Theil (1846)
Entstehung
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wurden die ganze Nacht Patronen gerollt und Kugeln ge⸗ goſſen. In allen Häuſern herrſchte eine unabläſſige Thä⸗ tigkeit, theils in dieſer Art, theils durch die Sorge für die Verwundeten und das Beſtreben, die Kämpfenden zu er⸗ quicken, ihre angeſtrengten Kräfte zu ſtärken.

Adolph und Victor erhielten von Clermont ſo viele oder doch ſo dringend nothwendige Aufträge, daß ſie an dieſem ganzen Tage ſo wenig wie in der Nacht die Zeit fanden, einen Augenblick zu den Ihrigen zu gehen. Nur durch einen Diener ließen ſie melden, daß ſie ſich wohl und un⸗ verſehrt befänden. Die Trauerbotſchaft von Louiſon's Tode erfuhren ſie jedoch nicht, da Deſormery ihnen durch dieſe Nachricht den fröhlichen Muth zum begeiſterten Kampfe nicht rauben wollte.

Erſt in der ſpäten Stunde der Mitternacht gewannen die beſchäftigten Führer ſo viel Muße, daß ſie einige Stunden dem erquickenden Schlafe widmen konnten. Doch dauerten die ganze Nacht hindurch die Rüſtungen, ja ſelbſt kleine Gefechte fort und keine Minute verging, in der man nicht Schüſſe fallen hörte.

Endlich brach der Morgen an und mit ihm der größeſte Tag, den Frankreichs Geſchichte geſehen. In der Stunde des Sonnenaufgangs herrſchte eine heilige Stille. Man ſah die Giebel der Dächer, die ehrwürdigen Zinnen des Domes von Notre⸗Dame mit goldenem Schimmer über⸗ floſſen; der ganze Himmel brannte in dunkler Purpurglut. Die Glocken ertönten mit hehrem Klange; die Krieger griffen zu den Waffen, die im Strahl der Morgenſonne funkelten. Der klare anbrechende Tag war Allen ein gött⸗ liches Zeichen des Sieges; durch dieſe goldenen Thore des Morgens zog die Freiheit ein, dieſer reine blaue Aether wölbte ſich über der heiligen, geretteten Erde Frankreichs!