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oder wenigſtens dann und wann Lücken hineinreißen müſſeu, ſo aber ſtand er unbeweglich über den Feuernden. Auf
dem Lande dagegen, wo faſt Mann gegen Mann focht,
nahm jeder Schütz ſein Ziel ſicher auf's Korn, und bei der
Uebung, die ſowol die franzöſiſchen, als die türkiſchen Ti⸗
railleurs hatten, ging faſt kein Schuß verloren. Indeſſen
fochten die Franzoſen mit lebhafter Begeiſterung und immer
neu entwickelten ſich ihre Colonnen aus den Bergſchluchten
und drangen aus den Gebüſchen hervor.
Da ſah der Oberſt einen Offizier mit etwa funfzig Mann eine Schlucht hinaufklettern und die Mauer eines Gartens umgehen, in welchem ſich viele türkiſche Schützen befanden. Sogleich machte er Giacomo aufmerkſam darauf und ſprach:„Wenn jenem geſchickten und ſorgſamen Offi⸗ zier der gewagte Streich glückt, ſo muß dort unten die Batterie verloren gehen. Mir däucht, er kann ihr in dem Erdriß, den die Gebüſche dort bezeichnen, bis auf zweihun⸗ dert Schritt nahe kommen. Freilich aber, entdecken ihn die Algierer, ſo iſt's ein Leichtes, ihn abzuſchneiden.
Mit einer heftigen Spannung, ja faſt mit Aengſtlich⸗ keit verfolgte der erfahrene Krieger die Unternehmung des, ſo ſchien es, jungen Offiziers, der mit großer Gewandtheit, immer ſeinen Leuten voran, ſich Bahn auf einem höchſt ſchwierigen Wege brach.„Ein tapferer Sohn Frankreichs!“ ſprach der Oberſt gerührt;„möge der Himmel ſein kühnes Unternehmen begünſtigen.“ Es regte ſich eine Theilnahme für den jungen Mann in der Bruſt des alten Kriegers, die ihn ſelbſt befremdete. Sah er doch ſo viele auf dem weiten Gefilde der Gefahr, die ihm alle als Landsleute gleich naheſtanden, und dennoch hatte er, ſo mancher auch gefallen war, noch für keinen ein ſo beſonderes Gefühl der faſt zärtlichen Beſorgniß gehabt. War es das vereinzelte


