— 310—
uns aber den Aufenthalt, oder verräthſt Du uns gar an unſere Feinde, ſo zähle darauf, daß, wenn die Stadt in die Gewalt der Franken kommt, daß ſie Dein Haus dem Boden gleichmachen und Dich und Alle, die Dir ange⸗ hören, aufhängen.— Jetzt ſei vernünftig und triff An⸗ ſtalt, daß wir ein gutes, ſicheres Unterkommen finden.“
„ ich Mann des Jammers! Ich Sohn des Elends! Hier iſt das Feuer und dort der Abgrund! Nechts das Schwert und links die Peſt! Vater Jakob! Welches Ver⸗ derben trifft mein graues Haupt! Rebekka, ſetze Dich auf den Boden und beſtreue Deine Scheitel mit Aſche, denn der Tag iſt da, wo der Zorn des Herrn uns trifft!“
„Sei ganz ruhig, Freund,“ ſprach der Oberſt mit feſter aber ſanfter Stimme.„Gib uns nur wenige Tage Ob⸗ dach und es ſoll Dir wohlergehen. Niemand weiß, daß wir zu Dir eingetreten ſind, denn die Gaſſe war leer. Niemand ſucht uns bei Dir und überhaupt wird uns Nie⸗ mand aufſuchen. Säume aber jetzt nicht länger, uns einen ſichern Aufenthalt anzuweiſen!“
Der Jude ſtand noch immer und zögerte, indem er ängſtlich die Hände rieb und ſich verlegen hin und her wendete. 3
„Nur vorwärts, Alter!“ munterte Giacomo ihn auf. „Du wirſt Dich ſchon von Deinem Schreck erholen und bald bemerken, daß Deine Gäſte Dir keine Gefahr bringen. Du haſt ja ſonſt immer gute Geſchäfte mit mir gemacht, warum willſt Du mir heute nicht trauen?“
Baruch ſchien endlich den Entſchluß gefaßt zu haben,
ſich in ſein Schickſal zu ergeben. Noch immer zitternd langte er ein Bund Schlüſſel von einem Wandgeſims herunter, reichte ſie ſeiner Frau, welche gefaßter ſchien als er ſelbſt und ſprach zu ihr:„Rebekka, Tochter Rahel's,


