— 349—
Alexisbad. Die Josephshöhe. Das Koulette.
Unter allen veränderten und veränderlichen Geſichtern iſt das eines Abends das auffallendſte, oder vielmehr das eines Morgens, oder vielmehr das, was der Abend zu⸗ vor am andern Morgen macht, oder— nun zum Teufel, der Leſer verſteht mich und die Sache läßt ſich einmal nicht recht präcis ausprägen mit dem gewählten Gleichnißſtempel. Genug, es war ſo! Abends verſchluckte ich ein Rebhuhn und meinen Dreimännerwein mit Wuth, bezog mein Zimmer mit Ingrimm, legte mich knirſchend in mein Bett— Morgens lächelte ich meinen Kaffee heiter an, ſtand wohlgemuth vom guten Lager auf und fand mein Zimmer ſo traulich, daß ich es— ſogleich zu verlaſſen beſchloß, nämlich um wei⸗ ter zu wandern. Die Füße waren ausgeruht, die Kleider trocken, der Körper erquickt, mithin meine Seele bei beſter Laune.
Ich habe noch manches Verſprechen auf mir ſitzen, was ich dem Leſer halten muß. Eins davon iſt das, die Jo⸗ ſephshöhe zu beſteigen. Der Harz wird nämlich, ich muß es hier bemerken, erſt jetzt recht zum Chriſtenthum bekehrt. Jedermann weiß, daß die Blocksbergsſagen ſich von dem heidniſchen Götzendienſt herſchreiben, der dort am tiefſten eingeniſtet war und ſeine Rauchaltäre und Flammenopfer nicht loslaſſen wollte. Wenige aber wiſſen es, daß das Hei⸗ denthum dem alten Gebirge noch heute in den Knochen ſteckt— in den Felſen nämlich— und erkennen daher die Verdienſte tugendhafter chriſtlicher Fürſten nicht genug an,


