Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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Robert ſchauerte, als er den Eid geſprochen hatte. Es war ihm, als fühle er ſich jetzt in die Gewalt verborgener Mächte gegeben, als hätten unſichtbare Hände ihn am Fuß gehalten, während er auf der rieſigen Wurzel ſtand und den Schwur that. Gern hätte er ein Kreuz geſchlagen und ein frommes Gebet geſprochen, doch er wagte es nicht, denn es ſchien ihm jetzt wie Läſterung in der Kirche. Der Alte aber faßte ihn eben ſo rauh wie zuvor bei der Hand und ſprach mit ganz verändertem, wildem Tone der Stimme:„So, nun haſt Du uns geſchworen! Sei zur Stelle, übermorgen, und bedenke, daß es Dich in ewiges Unheil ſtürzt, wenn Du Deinen Eid auch nur mit einer Miene brichſt, die das Geheimniß verräth! Gute Nacht für heut!“

Mit dieſen Worten trat er in's Gebüſch und war in wenigen Augenblicken verſchwunden. Robert blieb wie an⸗ gewurzelt ſtehen und ſtarrte ihm nach, doch er konnte ſich des verheißenen Glückes nicht erfreuen.

Am folgenden Tage, als er mit Gertrud zuſammenkam, war er ſtill; ſie ahnete nichts Böſes, ſondern wähnte nur, es ſei die alte Urſache ſeines Kummers. Sie war doppelt freundlich zu ihm, allein je mehr ſie ihm ſchmeichelte und liebkoſte, je finſterer wurde er. Die Nacht konnte er kein Auge zuthun. Am folgenden Tage ſchweifte er ſo weit er konnte in Fels und Gebirg umher. Erſt ſpät Abends kam er zu Gertrud. Sie verwunderte ſich betrübt, daß er ſo ſpät kam.„Ich hatte mich ſo nach Dir gebangt, Robert, weil böſe Träume mich in verwichener Nacht geängſtigt ha⸗ ben,“ ſprach ſie,„nun ängſtigſt Du mich noch, daß Du ſo ſpät kommſt.“ 3

Er antwortete nicht, küßte ſie aber herzlich.

„Soll ich Dir meinen Traum erzählen?“ fragte ſie, und der Ton ihrer Worte ſagte, daß ſie es wünſche.