— 331—
Und ſowie es Mitternacht ſchlägt im Dorfe drunten, ſo ſagt den Spruch leiſe gegen die Erde hin und dann geht ſtockſtill, gebückt, immer nach Norden vorwärts, aber ſchaut Euch weder zur Rechten noch zur Linken um, ſonſt iſt Alles verloren, und bei Leibe wendet Euch ja nicht zurück, bevor die Zeit verſtrichen iſt, das könnte Euch gar übel gerathen.“
„Und woran erkenne ich das Kraut?“ fragte Robert abermals, da der Alte jetzt ſchwieg.
„Ich darf Euch nicht mehr ſagen! Doch laßt Euch des⸗ halb nicht bange ſein!“ antwortete der alte Bergmann.
„Und wenn ich es nun gefunden habe? Was ſoll es mir nutzen, welche Vortheile ſoll ich mit Euch theilen?“
„Wir werden Beide genug haben, auch an der Halb⸗ ſcheid,“ lächelte der Alte.„Seht, erſtlich trifft Den, der das Kraut beſitzt, in dreimal ſieben Jahren, bis es wieder wächſt, keine Krankheit und er altert nicht; und Jedem, der es eine Nacht auf der Bruſt trägt, verleiht daſſelbe Geſundheit und Jugendkraft. Und zweitens, in jeder ſieben⸗ ten, neunten, eilften und dreizehnten Nacht nach dem Voll⸗ mond leuchtet es für Den, der es in der linken Hand trägt, tief in die innerſte Erde hinein, daß man ſehen kann, wie die Metalle und Geſteine lagern, und die reichen Erzadern ſtreichen, und faſt alle verborgene Schätze entdeckt. Begreift Ihr nun, weshalb ein alter Bergmann noch im achtzigſten Jahre die Mühe nicht ſcheut, darnach zu ſuchen? Nun müßt Ihr mir ſchwören, daß Ihr redlich mit mir theilen und nicht Schätze ſuchen wollet ohne mich. Aber dreimal, das ſage ich Euch, iſt der Schatz nur zu heben! Habt Ihr dreimal die Tiefe der Erde beſchaut und die Wahl Deſſen getroffen, was Ihr begehrt, ſo iſt die Kraft vorbei. Darum heißt es ſorgfältig prüfen und vorſichtig wählen. 5
Robert ſchlug mit Freuden in die dargebotene Hand des


