Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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tödtlich, kein Gift gefährlich. Das Alter übe nur eine ge⸗ ringe Macht über ſie, und der Tod ſei ihr noch bei blühen⸗ der Schönheit des Körpers beſchieden, obwol die erſte friſche Jugendlichkeit durch die Reihe langer Jahre verſchwinde. So lebte ich mit dieſem ſüßen, ſanften und doch erhabenen Weſen viele Jahre, und zu meinem Erſtaunen gewahrte ich, daß auch ich in friſcher Jugendkraft blieb. Ahnend be⸗ fragte ich Waldhulden. Sie geſtand mir, daß die Liebe, die uns vereinigte, mich zum Mitgenoſſen der Wirkung ihrer Zaubermittel mache; ſie geſtand mir weiter, daß dieſe Theilung mit einem gleichen Verluſte von ihrer Seite ver⸗ bunden ſei, ſodaß ſie gleichſam an meiner Liebe dahinſchmach⸗ tend ſtarb. Dies erſchütterte mich tief; jeden Tag, den ſie mit mir lebte, weihte ſie meinem Daſein und raubte ihn dem ihren; und ſo war ſie dieſe ganze Zeit für mich ge⸗ ſtorben! Hältſt Du es nun für möglich, Bernhard, daß ich undankbar gegen dieſes liebend opfernde Weſen ſein könnte? Und doch war ich's!

Seit langer Zeit ſchon bemerkte ich an Waldhulden eine Traurigkeit und Unruhe, die ſie mühſam bekämpfte. End⸗ lich befragte ich ſie, und da geſtand ſie mir weinend und erröthend:Mein Theurer, Du haſt ſchon ſeit langer Zeit den Wunſch geäußert, daß ein Sohn unſere Verbindung beglücken möge. Deine Wünſche bleiben unerfüllt, denn das Mutterglück iſt mir auf ewig verſagt.Iſt das eine Folge Deiner Zaubertränke? rief ich erzürnt.O nein, mein Geliebter, antwortete ſie ſanft unter Thränen.Als ich Deine Wünſche vernahm, mit denen die meinigen ſich lange vereinigt hatten, beſchloß ich, die geheimen Stimmen der Natur zu befragen, wann uns die Erfüllung derſelben ge⸗ währt werden könnte. Und da erfuhr ich, daß der Him⸗ mel mich von dieſem Glück auf ewig ausgeſchloſſen habe.

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