ſich hingleiten zu ſehen, aber immer fand er ſich durch die Mondſtrahlen getäuſcht, die ein geſpenſtiſches Licht auf die alten Stämme der Bäume warfen. Schon mehrmals war es ihm geweſen, als höre er leiſe anſchwellende Klänge durch den Wald hallen, aber jetzt unterſchied er deutlich, daß ſie aus einem dichten Gebüſch hervordrangen. Behutſam ging er näher, erblickte auf einem Raſenplatz und von hohen Buchen umwölbt, eine weibliche Geſtalt, die, das Haupt ſchwermüthig in die Hand geſtützt, auf dem Boden ruhte. Ihr langes, dunkles Haar wallte düſter über den Nacken, das ſilbergraue Gewand ſchimmerte wie Nebelduft im Mon⸗ denſtrahl, ein brauner Wolfsmantel war nachläſſig unter die Schultern herabgeſunken und neben ihr lagen Pfeile und Bogen. So ſah er denn die Frau des Waldes wirklich vor ſich! Hinter einen alten Buchenſtamm geſchmiegt be⸗ trachtete er ſie mit zurückgehaltenem Athem. Sie hatte das Antlitz von ihm abgewendet und ſeufzte oftmals aus tief⸗ ſter Bruſt. Die hochgewölbte Halle der Baͤume, in der ſie ruhte, war von einem grünlichſchimmernden Duft erfüllt, der aus den Blättern, die ſmaragdartig leuchteten, her⸗ vorzuſtrömen ſchien, wie wenn die Sonne recht hell durch die zarteſten Laubwipfel ſcheint. Plötzlich begann ein unter⸗ irdiſches Rauſchen, als ob düſtere Accorde aus der Tiefe ſtiegen, die Häupter der Bäume neigten ſich gegeneinander, und aus den Wipfeln wehten ſchwermüthig weiche Klänge hervor, die ſich mit den unterirdiſchen Tönen miſchten und eine ſeltſame, ahnend ergreifende Muſik hervorbrachten. Die Waldfrau richtete ſich auf und ſang mit einer tiefrührenden Stimme zu den Klängen folgendes Lied:
Wohin biſt Du, Trauter, entſchwunden? Der ſuͤß mir geſchlummert im Arm! Ich hielt Dich ſo liebend umwunden,


