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Selbſt die Trauer um die Tauſende gefallener Opfer wurde ein wehmuthsvolles Glück; denn es war ja nur Blut der Erlöſung gefloſſen.
Alles, Alles ſollte dieſe Zeit verſühnen, jede Wunde hei⸗ len, jeden heißen Schmerz mit reinem Born kühlen— wehe Denen, die ihn vergifteten!
Marie und Bianca hatten nach Ludwigs Wunſch auf dem ſtillen Landſitz bei Dresden, den die Schweſter ſeiner Mutter bewohnte und wo freundliche Liebe der Jugendge⸗ noſſinnen ſie umgab, eine Zuflucht geſucht. Hier ſahen Bernhard und Ludwig ſie wieder; hier vollendete ſich ihr Glück im ſüßen unauflöslichen Bunde. Denn auch Mariens Herz war durch Bernhards edle Treue und Größe ganz ſein geworden, und die Roſe ihrer Liebe, in der ſo lange die ſchwe⸗ ren Gewittertropfen ſchmerzlicher Thränen geſtanden, glänzte jetzt von zitternden Thautropfen der Freude und entfaltete den duftenden Kelch in neu aufblühender Anmuth.
Nur eine Wolke lag trübe auf der Stirn der Glücklichen, die hier beiſammen weilten. Der Tag des Friedens war ge⸗ kommen; doch von dem edlen Freunde, der ſich, ſeinem Vor⸗ ſatz getreu, bis zu dieſer Stunde ſtreng von ihnen losgeſagt, hatten ſie nichts vernommen. Ein Brief an die Gräfin, den Ludwig ſeit mehreren Wochen nach Warſchau geſchrieben, blieb unbeantwortet. Sollten ſie den Trefflichen betrauern? War er, wie der biedere Arnheim, wie der dichteriſche Jüngling Benno, unter den Opfern gefallen, die der Krieg blutig gefordert hatte? Dieſe neuen Bekümmerniſſe erfüllten die Herzen der Glückſeligen.
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