Teil eines Werkes 
4. Band, 1812 : ein historischer Roman : 4. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

mein Obriſt! Seht nur her, dort liegt es und ſchläft wie eine kleine Prinzeß.

Es war in eine Art von Korb, warm in Heu und Moos gepackt und mit einem leichten Tuch überdeckt. Die Witwe des bei Wiazma gebliebenen Tambours ſaß daneben und behütete es.

Regnard betrachtete es gerührt. Er küßte es leicht auf die Stirn, nahm ſich aber in Acht, es zu erwecken. Dann wandte er ſich zu der Frau und dem Chaſſeur:Freunde, wenn Gott uns nach Frankreich zurückführt, will ich Euch vergelten, wie ich vermag. Jetzt bin ich arm und bloß wie Ihr, denn ich komme aus ruſſiſcher Gefangenſchaft. Aber haltet Euch zu mir; wir wollen Leid und Freude und Sorge um das kleine Engelchen theilen. Für den Augenblick aber vermag ich Euch nichts zu bieten als dieſen Handſchlag zum Dank!

Wahrhaftig, das iſt auch das Beſte, mein Obriſt,n rief der Chaſſeur, indem er kräftig einſchlug.So eine Hand, auf die man ſich verlaſſen kann, iſt jetzt mehr als ein Haufen Gold. Gelt, Ihr zieht mich doch aus dem Schnee, wenn ich irgendwo ſtecken bleibe? Ich habe in den letzten Tagen Manchen gekannt, der wol noch mit uns marſchirte, wenn ſein Kamerad nicht zu müde und verzwei⸗ felt geweſen wäre, um ſich drei Minuten bei ihm aufzuhal⸗ ten und ihm aus einem Schneeloche zu helfen, in welches man als Bube hundertmal in einem Tage zum Scherz ge⸗ fallen und wieder herausgeſprungen wäre! Auf ſolch eine Hand, mein Obriſt, da zählen wir. Aber Gold? Das hat hier keinen ſonderlichen Cours. Als wir vor vier Tagen in Smolensk einrückten, ſaß ein Artilleriſt vor dem Thor am Wege und hatte Euch einen Klumpen reinen. Silbers wie ein Kindskopf groß auf den Knieen; es mag wol aus einem