Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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geſpannter Erwartung hin. Da pochte es leiſe an ihre Thür; es war Willhofen. Der wohlwollende, gewandte Alte hatte ſchon faſt den ganzen Zuſammenhang der Begebenheiten er⸗ rathen. Er war der Meinung, daß für dieſe Nacht nichts mehr zu wagen ſei, ohne die Lage der Dinge gefährlicher zu machen. Deshalb übernahm er es, der Fürſtin einen Zettel von Bernhard, der ſie mit dem gefaßten Entſchluſſe bekannt machte, ins Fenſter zu werfen. Dies führte er glücklich aus, erſtattete Bericht darüber und verſprach, wach⸗ ſam zu ſein, um, ſobald ſich das Mindeſte ereignete, Nach⸗ richt zu geben.

Allen verging die Nacht in unruhiger Spannung, die kaum einen oft unterbrochenen Halbſchlummer zuließ.

Zehntes Capitel.

Die Gräfin Dolgorow hatte die Verhältniſſe Bianca's zu den Gäſten des Hauſes vielmehr gemuthmaßt als ge⸗ kannt. Durch einen Zufall war Jeannette die Verräthe⸗ rin geweſen; denn dieſe war es, welche ſich, gleich nach dem Augenblick, wo Bianca ihren Bruder zuerſt erkannte, dem Gaſtzimmer näherte. Sie hörte laut und heftig ſprechen, und vernahm die Worte: Bruder, Schweſter; erſtaunt ſtand ſie ſtill und lauſchte unwillkürlich, wenigſtens arglos. Da näherten ſich Willhofen und einige Diener, und der Schall ihrer Schritte auf dem Corridor wurde von Ludwig vernom⸗ men, der die leiſeren des Mädchens überhört hatte. Die An⸗ näherung derſelben unterbrach die erſten ſüßen Vertraulich⸗ keiten der Geſchwiſter; doch mußte Jeannette beim Eintreten