Teil eines Werkes 
3. Band, 1812 : ein historischer Roman : 3. Theil (1843)
Entstehung
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Hier ſchwieg ſie; denn von ihrer bekämpften Leidenſchaft zu Raſinski hatte ſie mit der Freundin noch niemals geſprochen, weil das Geheimniß ihr nicht allein gehörte, und weil ſie empfand, daß ſie ſich eines ſittlichen Sieges nicht rühmen durfte, ohne ihn zu verlieren. Und war ſie denn Siegerin? Erneuten ſich die Kämpfe in ihrer Bruſt nicht oftmals in einſamen Stunden der Nacht? Und floſſen dem verlorenen Glück nicht noch immer ihre Thränen?

Bis? fragte Lodoiska, als Marie inne hielt.

Nun ja denn, ſprach dieſe verwirrt,auch ich habe geliebt. Einen Augenblick lang! Die junge Pflanze wurde durch den rauhen Sturm der Zeit ſchnell entwurzelt; ſie konnte nicht die Blüthe entfalten, weder eine volle Krone, noch tiefe Wurzeln treiben. Doch ſelbſt dieſer flüchtige Augenblick, kürzer als ein Traum, brach faſt die Kraft der ältern, hei⸗ ligen Bande der Liebe und Pflicht. Und dennoch fühlte ich mich größer, edler, beſſer durch die Liebe. Wahrlich, es iſt ein Großes, wenn man es vermag, Alles in ihr und durch ſie zu ſein. Darum kümmere es Dich nicht, Beſte, daß Du geringere Kräfte und Pflichten durch dieſe höhern in Dir aufgelöſt und vernichtet fühlſt. Wenn wir feſteren Wi⸗ derſtand leiſten, wer ſagt Dir, daß deshalb eine größere Stärke in uns wohnt? Wir widerſtehen wol nur, weil wir nicht ſo mächtig erſchüttert werden. Kleine Seelen können ein hohes Maß der Liebe nicht faſſen. Darum ſchätze Du

Deine Seele nach der Kraft Deines Liebens!

Du tröſteſt ſo holdſelig, erwiderte Lodoiska bewegt; Du willſt wie ein duftendes Veilchen in ſtillen Schatten zurücktreten, wo Du glänzen dürfteſt! Meine Liebe iſt ſtär⸗ ker als ich ſelbſt; das iſt mein Vergehen, und oft ahnet mir, als werde ſich's fürchterlich ſtrafen. Steht denn nicht

ddie Pflicht hüher als die Liebe? 4

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