forderten auch ihn zu einer beſchleunigten Rückkehr auf. Seine Mutter und Schweſter lebten in Dresden in weib⸗ licher Stille und Zurückgezogenheit; mehr aus Neigung als
durch die Umſtände dazu gezwungen, da das Vermögen der
Mutter ihr eine unabhängige, wenngleich nicht glänzende Lage gewährte. Den Vater hatte Ludwig ſchon in ſeiner Kindheit verloren. Wie, wußt ſelbſt nicht, denn die Mutter hatte zwar bisweilen einige Andeutungen von dem unglücklichen Schickſale deſſelben gegeben, ſich aber niemals näher darüber erklärt.— Die vier letzten Jahre waren, wie⸗
wool traurig genug, doch wenigſtens ſo ruhig für Nord⸗ deutſchland geweſen, daß zwei einzelne Frauen ſich auch ohne beſondern männlichen Schutz den Ereigniſſen des Lebens ge⸗ wachſen fühlen konnten. Jetzt aber rückten die Colonnen der franzöſiſchen Heere wieder auf allen Landſtraßen vor; Deutſch⸗ land war mit dem beginnenden Frühling aufs Neue in ein
Feldlager verwandelt. Deshalb kehrte Ludwig zurück, denn ſein Herz trieb ihn an, in ſo bedenklicher Zeit der Mutter, die überdies, wie ihm die Schweſter ſchrieb, an einem beſorg⸗ lichen Bruſtübel kränkelte, rathend und ſchützend zur Seite zu ſtehen. Er gehorchte dieſer Stimme der Pflicht, obgleich mit ſchwerem Herzen. Nicht daß Italien ihn ſo unwider⸗ ſtehlich gefeſſelt hätte, ſondern weil ihm bangte, ſein unglück⸗ liches, entwürdigtes Vaterland zu betreten, in dem er tiefere und ſchwerer zu heilende Wunden entdeckte, als das Schwert der Franken demſelben geſchlagen hatte. Ludwig befand ſich in dem für Glück und Schmerzen empfänglichſten Alter; er war drei und zwanzig Jahre alt. Seine Seele neigte ſich früh zum Ernſt, denn ſie reifte unter ernſten Geſchicken. Die Jahre der Studien, welche Andere in ſorgloſeſter Heiter⸗ keit zuzubringen, ſich höchſtens bei den Büchern einigerma⸗ ßen zu ſammeln pflegen, waren für ihn eine Zeit ſtrenger
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