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Bis zu den Thoren Roms erſtrecken ſich die Anfälle der Banditen. Der ältere Bruder Napoleons, Fürſt Ca⸗ nino Lucian, wurde vor einigen Jahren wenige Schritte vor der Stadt gefangen und nur gegen ein ſtarkes Lüſezelh wieder freigegeben.
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Die Banditen, welche draußen auf freier Straße ihr Gewerbe treiben, empfangen aus der Stadt die Nachrichten, welche ihnen beſonders die reichen Fremden bezeichnen.
Dieſe Nachrichten ſind ſtets von einer unbegreiflichen Genauig⸗ keit. Die einzuſchlagende Straße, der Werth der Effekten, die Beſchreibung der Perſonen, ihr Vermögen, ihre Ver⸗— hältniſſe und die ihrer Familie, alles trifft auf das Genaue⸗
ſte in den Anweiſungen, welche alle Leute derjenigen Be⸗
völkerung ertheilen, die auf Koſten der Fremden lebt und dieſelben hinterher noch der Mißhandlung und Beraubung in die Hände liefert.
Zwiſchen den Italienern Roms, ihrer niedrigen Treu⸗ loſigkeit und der Kühnheit der Banditen vom Lande iſt er Unterſchied etwa, welcher zwiſchen einem Gauner und einem
Straßenräuber herrſcht.
Aus dieſen Umſtänden, welche ich Dir, mein Vater, mit aller Mäßigkeit und Parteiloſigkeit mittheilen konnte, 1 geht hervor, daß unter den beiden am meiſten katholiſchen*
Ländern Europa's, Italien und Spanien, das erſtere am 8—
längſten das Räuberthum beibehält und daß von allen italie⸗. niſchen Gegenden die römiſchen Staaten die ſind, wo die*


