Teil eines Werkes 
3. Band (1851)
Entstehung
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147 lung, welche man ſich gewöhnlich nach den Umſtänden ſeines Lebens von ihm mache, nicht im mindeſten entſpräche. Er ſoll ein Greis mit ſanften Augen, edlen, geſetzten Zügen ſein, ruhige, leutſelige Freundlichkeit ruht in ſeinen Mienen und nichts deutet die blutdürſtige, wilde Leidenſchaft in ihm an.

Sein Geſichtsausdruck zeigt eine heitre, behagliche Lu⸗ ſtigkeit, die ſich mit ehrwürdiger Würde vereint und es un⸗ möglich macht, den Banditen oder Räuber zu erkennen, der Stilett und Feuerwaffe ſo vortrefflich zu führen verſtand und jeden ſiebenten Tag ſein Gebet um Vergebung der ſchreck⸗ lichen, im Laufe der Woche ausgeübten Verbrechen gewiſſen⸗ haft verrichtete.

Wenige alte Banditen wandeln ſich ſo ganz um wie Gaſparone. Die Beiſpiele einer wirklichen Beſſerung ſind in Rom eben ſo ſelten, wie ſie häufig bei den engliſchen Depor⸗ tirten ſind.

Die römiſchen Banditen machen ſich heutzutage weit mehr über die Perſonen der Reiſenden her, als über ihr Geld, Koſtbarkeiten und Gepäck. Sie ſchleppen ſie als Ge⸗ fangene mit ſich in die Gebirge, beſtimmen einen Preis für die Loskaufung und ſchicken Boten nach Rom ab, welche die von den Gefangenen ſelbſt bei Wechslern oder Bekannten zur Erhebung anzuweiſenden Summen in Empfang nehmen.

Sie ſelber müſſen in den Händen der Banditen als Geißeln bleiben, um denſelben als Bürgſchaft zu dienen, daß ihre Sicherheit nicht durch Böswilligkeit oder Betrug gefährdet werde.

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