die Erlaubniß ihres Oberſten keine Schuldklage eingeleitet werden. Allerdings Begünſtigungen, die der Würde ent⸗ behren; allein der Geiſt der heutigen Römer iſt ſo weit von dem
Adel ihrer Vorfahren entfernt, daß ſelbſt bei Begünſtigungen
die Bürgergarde Roms ſich ſtets mehr verringert als vermehrt. Ein letzter Zug diene zur Vollendung des gegebenen
Bildes der Italiener Roms. Lange liebe Zeit befand ſich i
der Kirche der heil. Barbara das Grabmal der berühmten Courtiſane Imperia, die zur Zeit Leo's des Zehnten in großem Rufe ſtand, und zu Ehren der Schönheit dieſes Weibes waren auf eine Marmortafel Worte gegraben, welche die Erinnerung ihrer Reize enthielten.
Und niemand fand in der ſo angebrachten Huldigung einer öffentlichen Dirne etwas Anſtößiges.
Um es in der Kürze zuſammen zu faſſen, ſo iſt der Italiener Roms nicht im mindeſten zu fürchten. Kommt'’s einmal, daß eine Verblendung ihn zum Dolche, zum Stilett, Meſſer oder Piſtol greifen läßt, daß er zum Banditen oder Meuchelmörder wird, ſo iſt es nur eine flüchtige Hitze, die er ſchnell wieder bereuet.
Er hat zu viele ſchmachvolle Laſter, als daß er einen einzigen zu fürchtenden Hang hegen könnte.
Er iſt ein begabtes Kind, deſſen Fähigkeiten eine gute f Erziehung hätte günſtig entwickeln können; aber die Prieſter haben ihn durch ihr Erziehungsſyſtem„luſtverderbt““, wie ein Schriftſteller des Papſtthums ganz treuherzig ſich aus⸗ drückt.


