Teil eines Werkes 
3. Band (1851)
Entstehung
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groß genug war, die Geiſter, deren Geſchmack und Neigung ſie zu ködern verſtand, zurückzuſchrecken.

Wie ſich die Gräfin in einer früheren Periode ihres Le⸗ bens die berühmte Donna Olimpia, die Verwandte Inno⸗ cenz des Zehnten, deren Herrſchſucht ein Aergerniß für die ganze Chriſtenheit war, zum Vorbilde genommen hatte, ſo wählte ſie jetzt andere, den Anſichten der Gegenwart ſich mehr nähernde Perſonen zum Muſter.

Es hat eine Baronin Valeria(Juliane) Krüdener ge⸗ geben, eine Tochter des Grafen Wiltenkoff(Barons von Vintinghoff), Gouverneur von Riga, und Enkelin des be⸗ rühmten Marſchalls Münnich, die 1765 geboren wurde.

Ein reizender Körperbau, ein gewandter, lebendiger Geiſt zeichneten dieſe Perſon aus, welcher ein aufwallender Hang zu träumeriſcher Melancholie einen eigenthümlichen Reiz verlieh.

Die Krüdener übte einen großen Einfluß auf die Di⸗ plomatie und der Kaiſer Alerander hörte ſehr gern ihren Rath, ja man will behaupten, daß der Einfluß ihrer ſchwärmeri⸗ ſchen Ideen ihn nicht unberührt gelaſſen und Baronin Krü⸗ dener nicht wenig zu dem Gedanken der heiligen Allianz bei⸗ getragen habe.

Dann die Prinzeſſin Lieven, welche gegenwärtig in Paris den geheimen Gedanken der ruſſiſchen Politik vertritt und auf den moskowitiſchen Zaar wie auf das franzöſiſche Kabinet einen Einfluß übt, der nicht geleugnet werden kann und deſſen Urſache niemand kennt.