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In ſolcher Weiſe verſtrich Gaetanos Jugendzeit voll ruhigen, ſtillen Glücks. Er war unter dem Schutze der lie⸗ bevollſten Sorgfalt herangewachſen, nahm zu an Kraft und an Weisheit und war der Stolz und die Luſt des Erzprie⸗ ſters, der Schweſter deſſelben und des ganzen Dorfes. Man bewunderte die in ihm liegende Gnade und ſeine herrlichen Fähigkeiten, und alle Mütter ſtellten ihn ihren Kindern als Vorbild auf. Viele behaupteten ſogar, daß durch Gaetanos Verweilen im Orte die Erndten geſegneter ſeien; kurz der glückliche Knabe war die Freude jedermanns. Der Erzprie⸗ ſter, der in aufrichtigſter Weiſe den Glauben hegte, daß er dem zum Jünglinge heranreifenden Gaetano dieſe Erziehung gegeben, trug kein Bedenken, auszuſprechen, er werde einſt ein Licht der Kirche werden. 8
In ſeinem Alter von achtzehn Jahren begab ſich nach Rom, um die Prüfung zu beſtehen, welche ihm die Klaſſe der Theologie in dem römiſchen Collegium, das damals, wie jetzt wieder, in den Händen der Jeſuiten war, öffnen ſollte.
Außer dem Brevier des Erzprieſters und der dicken la⸗ teiniſchen Bibel hatte Gaetano kein Buch geleſen, als die „Nachfolge Chriſti“; aber er hatte dies göttliche Buch unter dem freien Gewölbe des Himmels geleſen und die Natur hatte ihm die Geheimniſſe der Schöpfung und ſeiner Seele er⸗ ſchloſſen. Mit dieſer zweifachen heiligen Weihe verſehen und mit glühendem Glaubenseifer und allen jungen Regungen eines reinen Herzens that er ſeinen erſten Schritt in die moraliſche Welt. Er fürchtete, daß die Lehrer ihn nicht unter⸗


