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Noemi wurde von dieſen Worten heftig ergriffen. Sie verſank in ein tiefes, tiefes Sinnen, das ſelbſt Jaeintha ehrte und erſt durch die Rückkehr Dom Salvis unterbro⸗ chen wurde.
Doch es iſt Zeit, mit Dom Salvi uns bekannt zu machen. Richten wir unſern Blick auf das milde, liebreiche Antlitz eines Prieſters in wahrhafter Bedeutung dieſes Worts.
Dom Salvi war zu Ornaglia, einem Weiler in Sa⸗ binien, geboren. Seine Eltern waren arme Ackerleute. Va⸗ ter und Mutter, deren Ehe lange Zeit ungeſegnet blieb, tha⸗ ten ein Gelübde, die erſte Frucht ihres Ehebetts dem Him⸗ mel zu weihen; würde ihnen ein Sohn geboren, ſo ſollte er Prieſter werden, und wäre es eine Tochter, ſo wollten ſie dieſelbe zur Nonne beſtimmen. Dergleichen Gelübde, die den in der Feenmärchen vorkommenden Gelöbniſſen der Kö⸗ nige und Königinnen ſo ganz ähnlich ſind, gehören unter den römiſchen Landleuten zur Tagesordnung. Die Prieſter erhalten die Bewohner dieſer Gegend in einer Unwiſſenheit, welche dergleichen abergläubiſche Verrichtungen begünſtigt; ſie beuten die Leichtgläubigkeit aus und wiſſen daraus aller⸗ lei Opfergaben zu erzielen, welche die Erträge ihrer Stelle vermehren. Die neuntägigen Gebete, die Pilgerfahrten und alle derartige andächtige Handlungen ſind für ſie eben ſo viele Zweige des Einkommens. 4.
Wie nun dem auch ſei, das Gebet der Gatten wurde erhört und ihnen ein Sohn geſchenkt, deſſen glückliche, früh⸗ zeitig ſich entwickelnde Fähigkeiten den Hoffnungen, welche


