und Pflichten fremd ſind. Sie ſchrieb auch einige Zeilen an Ben Saul, um ihm die Verſicherung zu geben, daß ſie ſich nur auf eine beſtimmte Zeit entfernen und nach der Wieder⸗ kunft ihres Vaters, gehorſam gegen den Willen deſſelben, zurückkehren werde. Dann vollendete ſie die Vorbereitungen zu ihrer Abreiſe. Einige Kleider, ein Paar Edelſteine von unbedeutendem Werthe und eine geringe Summe Geldes, welches Ben Jakob ihr zurückgelaſſen hatte, war alles, was ſie mit ſich nahm.
In dem Angenblicke, wo ſie den gaſtlichen Heerd ver⸗ laſſen wollte, ſprach ſie ein Gebet für ihren Vater, für die⸗ jenigen, von denen ſie ſich trennte und für ſich ſelber. So wie der Tag zu grauen begann, verließ ſie das Haus durch ein Fenſter zu ebener Erde, welches ſie zu dieſem Zwecke alten hatte. Der Pförtner des Ghetto war mit ſtücke von ihr erkauft; er erwartete ſie. Sie durch⸗ ſchritt das Gitterthor, und Rom mit ſeinen öden Straßen, welche der erſte Strahl der Sonne erhellte, lag vor ihren Blicken.
Anfänglich fürchtete ſie ſich, allein zu ſein; doch bald
flößte ihre Lage ſelbſt ihr Muth ein und ſie ging mit raſchem
Schritte vorwärts. Ihr Gang richtete ſich nach dem Pan⸗ theon. An dem Verbindungspunkte der Straßen Serofa und del Governo, in der Nähe der St. Ludovico⸗ oder ſo⸗ genannten franzöſiſchen Kirche, klopfte ſie an ein Haus von beſcheidenem Ausſehen. Nach einigem Harren erſchien am Fenſter eine alte Haushälterin, welche durch die Riegel des


