Teil eines Werkes 
1. Band (1851)
Entstehung
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Als die Nacht Noemi und den Künſtler trennte, war das Mädchen über die Fortſchritte, welche ſie in dem ſeit einigen Tagen betretenen Pfade gemacht, ganz erſtaunt.

Ohne vorgängige Verabredung traf man ſich am näch⸗ ſten Tage im Vatikan an demſelben Orte, bei den prächtigen Frescomalereien, wieder; die Begegnungen wiederholten ſich öfterer und wurden länger ausgedehnt, und einen Monat ſpäter hatte ſich zwiſchen den beiden jungen Leuten das engſte Freundſchaftsband geknüpft.

Das Entzücken, welches Noemi in dieſem Verkehre fand, hatte ihr die Erinnerung der peinlichen Eindrücke, welche leider bald unbarmherzig als Handlungen auf ſie los⸗ brechen ſollten, in Vergeſſenheit gebracht. Ueber den freien Erguß ihrer Gedanken gegen den franzöſiſchen Künſtler hatte ſie allen Zwang abgelegt, der ſo lange die anmuthige Ge⸗ ſchmeidigkeit ihrer Bewegungen gefeſſelt hatte, und indem ſie der hemmenden Feſſel entledigt war, wuchſen Würde und Schönheit der Jungfrau wunderbar. Noemis Haltung, ihre Bewegungen, ihre Rede hatten einen natürlichen Reiz, der ſich ungezwungen und ungekünſtelt durch einfache Offen⸗ barung ihrer glücklichen Naturanlagen kund gab.

Bald wußten, ohne irgend eine unbeſcheidene Frage, die beiden neuen Freunde Alles, was jeden Theil betraf.

Noemi erzählte offenherzig, was ſie über ſich ſelbſt wußte; ſie vernahm, daß der Künſtler Franzoſe ſei, ſich Jules Bonneville nenne und in Rom das vierte Jahr ſeiner italieniſchen Studien verbringe.

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