Teil eines Werkes 
1. Band (1851)
Entstehung
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fand man weder Sonderlichkeiten noch abgeſchmacktes Weſen;

jede Uebertreibung lag fern von ihm; aber der Ausdruck ſei⸗

nes Geſichts beurkundete Geiſt und glühende Liebe zur Kunſt. Milde und Güte vereinte ſich mit den Anzeichen von kräfti⸗ ger Stärke. Das geiſtreich blitzende Auge und die Anmuth ſeines Lächelns gab ihm ein durchaus franzöſiſches Anſehen.

Vor ſeiner Arbeit hatte er ſich, wie vor ſeinem Gott, auf die Knie niedergelaſſen; das Haupt ſeitwärts neigend

betrachtete er jeden Pinſelſtrich, den er that, mit dem Ge⸗

fühle zufriedengeſtellten Enthuſiasmus. Der Begleiter dage⸗ gen mäßigte dieſen Enthuſtasmus durch fortgeſetzten Rath, welchen er dem Zeichner ertheilte, ſo daß er die Hand des Künſtlers zu führen ſchien. Das Herantreten von Perſonen ſtörte die Harmonie dieſer Gruppe. Noemi, von dem ihren Blicken ſich bietenden Schauſpiele angezogen und entzückt, befand ſich neben den beiden Perſonen, ohne zu wiſſen, wie ſie dahin gekommen; eine verwirrende Furcht hielt ſie be⸗ fangen, daß ihr Auftreten hier ſtörend einwirken könne.

Bei der Annäherung des Mädchens hatte der Künſt⸗ ler das Haupt zur Seite gewendet; ein Ausruf ſeiner Lip⸗ pen gab die Verwirrung kund, welche er über den Anblick ſolcher Schönheit empfand. Er erhob ſich, ſchloß ſein Album und in galanter Ergriffenheit ſagte er, zu dem Meiſterwerke Sanzio's gewendet:

— Verzeih', Meiſter, daß ich gleich dir die Schönhei⸗ ten der Natur denen der vollkommenſten Kunſt vorziehe.

Einen Augenblick ſtanden die beiden jungen Leute ſich