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Argwohn des pflichtgetreuen Landrathsbeamten klug zu be⸗ gegnen,— ſein Reiten nach Wegeſtädt, wo er paſſend ele⸗ gante Kleidung zu kaufen hatte,— ſein Studium der Schildt'ſchen Leichenſteine,— ſeine Klugheit, durch die ſeltſam vielen Namen eine Verwandtſchaft zu ſupponiren, — ſein ruhiges Ausharren am Orte, unter dem Schutze des Oberamtmannes— und dann ſein Abſchied, bei wel⸗ chem endlich ſein tüchtig im Zaume gehaltenes Naturell hervorſprang und in ſeinen ſelbſtſüchtigen Freudeänßerun⸗ gen kältend und verletzend wirkte. Es paßte Alles vortreff⸗ lich und der Oberamtmann überzeugte ſich, daß der Kreis⸗ ſecretär Golterebe dies Mal ganz gewiß Recht habe. Die Ueberzeugung davon verwandelte ihn von einem eifrigen Spötter über den Beamten„mit der eiſernen Feder“ in einen warmen Vertheidiger deſſelben und das Publikum von Burgdorf mußte zu ſeinem Erſtaunen erleben, daß der Oberamtmann Schildt der allerbeſte Freund des Kreisſe⸗ cretärs Golterebe wurde und daß er ihn bis an ſein Lebens⸗ ende mit Geſchenken aller Art gleichſam überſchüttete, um ihm ſeine Freundſchaft thätlich zu beweiſen.
Als der alte Herr endlich nach Jahren ſeinen Kindern den Schluß dieſer Erfahrung wahrheitsgemäß erklärte, fügte er hinzu:„Es iſt mir aber bis heute noch nicht leid, dem Menſchen geholfen zu haben, obgleich es ein Verbre⸗ chen gegen die beſtehenden Geſetze zu nennen wäre. Ich


