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würde, den weitſchweifigen weitern Auseinanderſetzungen ein Ohr zu leihen..
Er ſtand auf, klappte ſein inhaltſchweres Actenſtück zuſammen und band es mit dem Bindfaden wieder zu, wobei er mit bedeutſamer Bedächtigkeit ſprach:
„Warum ich Ihnen dieſe Verfügung mitgetheilt? Aus zweierlei Gründen, mein hochverehrter Herr Oberamt⸗ mann. Erſtens glaubte ich Ihnen einen Gefallen zu thun, wenn ich Ihnen Aufklärung über Ihren ſogenannten Herrn Vetter verſchaffte und Zweitens hielt ich es für eine Pflicht gegen mich ſelbſt, Sie zu überzeugen, daß ich alter Prakti⸗ kus ganz Recht hatte, als ich mich weigerte, dem jungen Fremden einen Paß auf meine Gefahr zu ertheilen, aus dem einfachen Grunde, weil er die Straße auf ſeinem Pferde herab„gezockelt“ gekommen war, wie ein ordentlicher Herr nicht„zockeln“ darf. Sie haben mich damals ausge⸗ lacht, mein hochverehrter Herr Oberamtmann—“
„Ich bitte tauſend Mal um Entſchuldigung deswe⸗ gen,“ unterbrach ihn der Oberamtmann, indem er herzlich die Hand des alten Beamten ergriff, der ſich für dies Aus⸗ lachen hinlänglich gerächt hatte.
„Es thut nichts,— mein hochverehrter Herr,“— lächelte dieſer.„Ich bin gewohnt, ausgelacht und ausge⸗
ſchimpft zu werden, aber ich habe doch oft Recht, wenn ich
auch bisweilen„mit eiſerner Feder“ ſchreibe. Nur wollte


