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ſo iſt nur ein flüchtiger Gedanke an die Seligkeit früherer Tage nöthig, um das Gegengewicht wieder herzuſtellen. Gabriele war alſo geneigt, zu vergeben und zu vergeſſen, wenn Kotſchinski nur im Entfernteſten die Treue und Wahrheit ſeiner wiedererwachten Neigung zu bekräftigen wußte. Weniger willfährig ihm zu verzeihen zeigte ſich Frau Kaiſerling, deren Muttergefühl die tiefe Trauer der Tochter innerhalb vier ſchwerer Jahre gewaltig hoch an⸗ ſchlug.
Am allerwenigſten bereit zu entſchuldigen war Editha. Das junge, energiſch fühlende Mädchen verwarf ihren Schwager unbedingt. Sie haßte, ſie verachtete ihn! Ihr empörtes Herz verleitete ſie, ohne Rückſicht auf die weichlich ſchwankenden Empfindungen ihrer Schweſter, das Betra⸗ gen Kotſchinski's bis auf die kleinſten Faſern zu analyſiren und das Anathema über ihn auszuſprechen. Von Scho⸗ nung wollte ſie nichts wiſſen, Ausgleichungsgründe verwarf ſie, Entſchuldigungen verſpottete ſie. Die ganze Gluth ihres Naturells brach bei dieſer Gelegenheit hervor und die Kraft ihres Geiſtes entwickelte ſich in der glänzenden Macht eines unberührten, keuſchen Weiberherzens.
„Er iſt todt, muß todt für Dich ſein und blei⸗ ben!“ ſchloß ſie eben, als ihr Vater die Straße hinauf kam und Gabriele in der Nähe der Entſcheidung unwillkür⸗ lichzerzitterte.„Wie könnte eine Frau ſolche Schmach je⸗


