6
So tief verſenkt war er in ſeinen Grübeleien, daß er den Oberſten von Witzepuhl nicht bemerkte, bis ihn dieſer wackere Krieger in Friedenszeiten derb auf die Achſel ſchlug und ihm in's Ohr ſchrie:
„Da haben wir's ja!“
„Leider— leider!“ entgegnete Kaiſerling betrübt. Er glaubte, die Kinder auf der Straße wüßten und erzähl⸗ ten es ſich ſchon, daß Gabriele das Unglück habe, eine zweite Gräfin von Gleichen zu ſein und bezog den Zuruf darauf.
„Was nicht niet⸗ und nagelfeſt iſt, das heißt, was nicht zur Firma von Euch gehört oder durch Verheirathung zur Familie gerußfnct werden kann, ſoll ausgehoben wer⸗ den und vom heutigen Tage an dürft Ihr keinen als Bür⸗ ger aufnehmen, der noch irgendwie cantonpflichtig iſt—“ referirte mit ganz ungewöhnlicher Deutlichkeit der alte Offizier.
Kaiſerling, von ſeinem Trübſinne geneſend, blickte ihn erſtaunt an. Seine Laune kehrte zurück und ſein Unglück verlor einen Grad von Schwärze.
„Was tauſend, Gnaden— das haben Sie wohl aus⸗ wendig gelernt!“ rief er lachend.„Iſt's wahr? der kö⸗ nigliche Beſcheid wäre ſchon da?“
„Iſt da. Steht wörtlich im Reſcript!— Wird morgen an die Stadtbehörde ausgefertigt! Wird Vogler'n


