Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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zu liebenswürdigen Weſen ausgebildet. Daß Gabriele, die ältere Tochter, das Mißgeſchick erleben mußte, ihren Gatten, den Herrn von Kotſchinski, nach wenigen Jahren einer glücklichen Ehe zu verlieren und daß ſie ſeit vier Jahren beharrlich um ſeinen Verluſt trauerte, darüber konnte kein Menſch etwas ſagen, was der Gemüthlichkeit der Familie Kaiſerling zum Vorwurf gereicht hätte.

Frau Suſanne verlieh aber der allgemeinen Ver⸗ wunderung Worte, als ſie es für angemeſſen fand, die Mutter der jungen Wittwe darauf aufmerkſam zu machen. Nachdem ſie mit aller Sanftmuth von Frau Kaiſerling ab und zur Ruhe verwieſen war, ſchwieg ſie ärgerlich, bis ihre Couſine von Neuem begann:

Man kann es den Leuten ſelten Recht machen, liebes Suschen! Wenn man in der Stadt von Gabrielens Trauer mißbilligend ſpricht, ſo liegt dies darin, daß ſie dem ſtatt⸗ lichen Doctor Weinheim einen Korb gegeben hat. Gabriele will ſich aber ihres Sohnes wegen, den ſie mehr liebt, als ſie zu zeigen für gut findet, gar nicht wieder verheirathen iſt der Vorſatz zu tadeln?

Frau Suſanne zuckte, noch immer ärgerlich, nur die Achſeln.

Zu einer Ehe gehört gegenſeitige Liebe fuhr Frau Kaiſerling fort.

Das iſt wieder eine von Deinen empfindſamen