„Wir Männer tappen oft in Dunkelheit, wenn es gilt, die Empfindungen zu enträthſeln“, ſprach der Hofmarſchall gütig.„Der Beobachtungsgabe der Damen entgeht die Grundlage des Gefühls ſelten. Hoffentlich eitirt mich nun nicht mehr das Schreckniß eines thörichten Wahns in dieſe Mauern zurück, ſondern die Nothwendigkeit, ein Herzensbündniß zu ſanctio⸗ niren.“
„O kein Frohlocken, bis nicht mein ſtilles Wünſchen zur Wirklichkeit reift! Wer ſehnlich hofft, vertraut nur zaghaft der Macht des Schickſals!“
„Haſt Du des Wiederſehens Ueberraſchung nicht benutzt, um in Dora Bella's Herzen zu leſen?“ fragte Reinhold.
„Ihr Herz iſt noch geſchloſſen! Ich habe nur den Keim des Vertrauens hineingelegt; ob mein Glück daran ſich feſſelt, muß ich erwarten.“
„Ich hoffe es!“ ſagte der alte Herr gerührt.„Wie leicht und glücklich hätte ſich Alles geſtalten können, wenn Dora Bella—“
„Nein, nein!“ unterbrach ihn Askan heftig;„nicht Dora Bella trägt die Schuld, ſie war gekränkt!“
Die beiden Herren tauſchten einen Blick, der ihre volle Zufriedenheit mit dem Seelenzuſtande Askan's ausſprach.


