Teil eines Werkes 
1. Band (1867)
Entstehung
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ſicht. Ihr Mutterherz ſtrömte von Liebe über, als ſie in dieſem von innern Aufregungen verklärten Antlitze ein tief verborgenes Weh zu erkennen glaubte. Eine Ahnung der Wahrheit beſchlich ihr Herz. 3Es iſt ein eigen Ding um die Liebe, ſagte ſie gleichſam tröſtend, mit weicher Stimme,und Du wirſt gut thun, Dich nicht gegen den jungen Mann zu ver⸗ härten, auch wenn er Dir Anlaß zum Mißtrauen ge⸗ geben, mein Klärchen. Ich habe mit Herrn Evers die Verabredung getroffen, daß er mit Dietrich offenherzig reden ſolle, während ich mit Dir ſeine vorläufige An⸗ frage überlegen wolle. Sobald Herr Evers ſeiner Sache ſicher und mit Dietrich vollſtändig einverſtanden iſt, wird er kommen und in aller Form einen Antrag machen. Ueberlege alſo, was Du thun willſt. Dein Onkel mag Dir ſeine Gründe gegen dieſe Heirath mit⸗ theilen; ich wollte dies nicht dulden, weil ich gewiſſer⸗ maßen auf Gegenliebe bei Dir rechnete. Haben wir uns freilich im Irrthum befunden, ſo iſt die Sache für Dich leicht zu entſcheiden. Aber, mein Kindchen, ich warne Dich, denn Du biſt nicht ſo gleichgültig gegen Dietrich⸗ wie Du Dir und mir einzureden ſuchſt. Wenn Dietrich Dich aus freier Wahl zur Gattin begehrt, ſo Klara unterbrach ihre Mutter, indem ſie ſich ihr leidenſchaftlich an die Bruſt warf.