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etwas unbeugſam. Was ſie als gut und recht erkannt, dafür opferte ſie ſich. Nachgiebigkeit aus Rückſicht oder Schwäche verachtete ſie. Durch dieſe Eigenſchaften hatte ſie ſich zum Liebling ihres Onkels, des Förſters, empor⸗ geſchwungen, und er pflegte zu ſagen:„Klara iſt von Geſicht und Figur eine geborene Petter, gleich ihrer Mutter, aber von Geiſt und Herz eine echte Horink!“
Klara war ſtolz auf dies Urtheil, denn ſie fand Befriedigung in beiden Vergleichungen.
Frau Horink hatte wenig Acht auf das, was auf der Straße vorging. Sie vertiefte ſich mehr und mehr in den Inhalt des Buchs, welches ſie durch Cooper's Phantaſie weit hinweg auf die Wellen des Oceans verſetzte.
Klara mochte mit ihrer Phantaſie mehr auf dem Straßendamm zu thun finden, denn ſie ließ ihre Blicke ſtets, ehe ſie dieſelben wieder auf die Näherei ſenkte, über den Fahrdamm gleiten und muſterte dann gleichgültig die Seitengebäude des Wirthshauſes, das wohl hundert Schritt höher gelegen war als ihr Häuschen.
Plötzlich ſah ſie eine Männergeſtalt oben in die Thorwegspforte treten und ſich bis zum Bergrande vorbewegen, von wo man in die Fenſter ihres Hauſes ſehen konnte. Erſt überfuhr ein ſüßer Schreck ihr


