Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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letzt befragte: ob er denn wirklich denRoſenauer Junker zum ordentlichen Menſchen machen könne.

Das Idiom des Landes, ſo weich und wohl⸗ klingend, nahm ſolchen Erkundigungen den Charakter gewöhnlicher Frageluſt, und die Gemüthlichkeit der Freude, womit man die zuverſichtliche Antwort des jungen, ſtolzblickenden Arztes aufnahm, bewies deutlich, daß der arme Knabe Alfred ein vielbedauerter Gegen⸗ ſtand des allgemeinen Intereſſes geweſen ſein mußte. Erneſt fühlte ſich angeſprochen von dieſer Theilnahme des Volkes für das reiche, hochgeborene Kind, dem das Schickſal Alles gewährt zu haben ſchien, nur nicht die regelrechten Gliedmaßen eines menſchlichen Körpers, und er war einigermaßen begierig, wie ſich ſpäterhin dieſe Zutraulichkeit entwickenn werde, wenn das Glück ſeine Cur begünſtigte. 1

Er dachte mit kühlem Lächeln an ſeine geſtörten Träume und verglich im Stillen die Bevölkerung der großen und bewegten Handelsſtadt mit derjenigen dieſer zwar belebten, aber dennoch ruhigen Reſidenz. Wie

ſonnenhell und gemüthlich blickten dieſe Leute in's Le⸗ ben des Tages hinein, wie viel mehr Zeit zum Genuß

deſſelben ſchienen ſie hier zu haben, während in Ham⸗

5 burg mit der Minute gegeizt wurde, die den Erwerb

vergrößern konnte. Dort concentrirten ſich die Ge