Teil eines Werkes 
2. Band (1859)
Entstehung
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die Wahl eines Majoratserben unnöthig zu machen und der Oberkammerherr ließ merken, daß er den Auf⸗ ruf ebenfalls fürzu früh erklären möchte, wenn er nicht dabei einen doppelten Zweck vor Augen gehabt hätte.

Eine fieberhafte Spannung färbte des alten Herrn Wangen mit einem Schimmer von Jugend, als der Tag vorrückte, ohne nur einen einzigen Brief, geſchweige denn einen Menſchen zu bringen, der im Zuſammenhange mit ihrer Aufforderung geſtanden hätte. Seine Ge⸗ müthsſtimmung theilte ſich nach und nach den Andern mit, als der Mittag nahe war und nichts erſchien, was ihre Hoffnungen oder ihre Befürchtungen erledigte.

Alice war am gelaſſenſten bei der ganzen Ge⸗ ſchichte, während ihre Großmutter am traurigſten war. Die alte Dame war unter Leid und Freud alt ge⸗ worden, aber es däuchte ihr nichts ſchrecklicher von allen ihren Erlebniſſen geweſen zu ſein, als dies War⸗ ten auf Jemand, der ihr ſtilles Familienglück zertreten könne.

Als die Mittagsglocke ertönte, athmete ſie froher auf. Es war drei Uhr. Noch wenige Stunden und der ominöſe Tag, vor welchen ihr ſchon ſeit vier Wo⸗ chen gegrauet, war hin. Ihre Toilette zeigte eine ungewöhnliche Pracht, woran zu merken war, daß ſie